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Freitag, 30.07.2010

Groß, Größer: Ries...laner



Was bedeutet schon der feinste Riesling, wenn man einen derart grandiosen Rieslaner vor sich im Glas hat? In begnadeten Händen, im großen Jahrgang, auf dem richtigen Boden - da schlägt der Rieslaner jeden edelsüßen Riesling gleicher Gewichtsklasse. An Rasse, Saft, an Spiel und Würze. So auch dieser Ausnahmewein von legendären Kellermeister Hans Günter Schwarz, die 1994 Mussbacher Eselshaut Rieslaner Trockenbeerenauslese, Müller-Catoir: Enorm konzentrierte Nase, feinste Fruchtaromen, keine Spur von flüchtiger Säure. Am Gaumen ganz klare, konzentrierte Aprikosenfrucht, auch hier sehr harmonisches, komplexes Zusammenspiel von enormer Süße, allerfeinster, straffer Säure und mörderischem Extrakt. Hallt minutenlang nach, dick wie Maschinenöl, gleitet aber seidig über die Zunge, ein Jahrhundertwein was Größe und Potential betrifft! (98)

Samstag, 24.07.2010

Weinhof Herrenberg 2009: grandiose Selektionen


Claudia und Manfred Loch (Weinhof Herrenberg) stehen im Ruf, die elegantesten unter den kraftvollen Rieslingen zu erzeugen. Diese Kunstfertigkeit konnten sie zuletzt in den Jahrgängen 2005 und 2007 eindrucksvoll unter Beweis stellen. Und auch 2009 wurden in Schoden ungemein konzentrierte Weine erzeugt, die aber zugleich enorm fein und fast schwerelos anmuten. Schon das Hof-Cuvée 'Hungerberg' aus Rivaner und Riesling wischt alle Vorurteile, die man Rivaner gegenüber haben kann, elegant vom Tisch. Der Wein hat Charakter – und zwar einen ausgeprägten! Hier kommt schon sehr viel von der mineralischen Würze der Lagenweine ins Glas und Saft hat der 'Hungerberg' allemal (86). Der cremige ‚LochRiesling‘ zeigt eine Qualität, die renommierten Weingütern der ersten Reihe zur Spitze gereichen würde. Die 2009er-Version ist der veritable Nachfolger des fulminanten 2007ers, ist aber noch eine Spur tiefgründiger und geschmeidiger geraten (89). Unbedingte Kaufempfehlung: zu diesem Preis gibt es das an Mosel, Saar und Ruwer nicht noch einmal! Der Riesling aus der ‚Cruv‘ (Schodener Herrenberg) zeigt in der Nase und am Gaumen eine markante, salzige Mineralität, kraftvolle Würze und herrlich reife Ananasfrucht. Momentan schon sehr zugänglich (91). Der Wein aus der ‚Stier‘ (Schodener Herrenberg) könnte verschiedener nicht sein: hier dominieren eine kühle Würze und zarter Schmelz den Wein, der fast schwerelos wirkt (90). Beim ‚Stoveler‘ (Schodener Herrenberg) explodiert die Frucht förmlich am Gaumen. Das ist reinstes, klares Rieslingkonzentrat, unterstützt von rassiger, ausgereifter Säure – ganz großes Kino (92)! Der Ockfener Bockstein zeigt alle Ansätze für einen wirklich großen Wein. Mineralität, Frucht, Säure, alles scheint hier in perfekter Harmonie zu stehen. Ungeheuer feste Struktur, enorme Länge (93). Ähnlich beeindruckend der Wiltinger Schlangengraben ‚Alte Reben‘, der sich mächtig und enorm vielschichtig auf die Papillen legt. Sehr jung, sehr fordernd und eine große Zukunft (93+). Der ‚Saartyr‘ ist pures, anspruchsvolles, tiefgründiges Trinkvergnügen (91), der rundliche, rotwangige, pausbäckige ‚Quasaar‘ zeigt pralle Frucht und reife, fast milde Säure (90+), wohingegen die ‚Contessaar‘ mit ihrer tänzelnden Säure und charmanter, reifer Frucht die pure Eleganz ausstrahlt (93). So hedonistisch, bacchantisch geht es weiter: ‚De kleinen Hehrenbersch‘ (Schodener Herrenberg) aus einer vierjährigen Junganalge, deren Rebstöcke extrem dicht gesetzt wurden, zeigt sich ungemein saftig, mit traumhaftem Spiel, traubiger Frucht und enormer Länge (92). Die Schodener Herrenberg Auslese (intern: ‚hochfeine Auslese‘) ist derart konzentriert und klar, dass es eine wahre Freude ist: allerpenibelste Botrytisselektion, oder anders: hier müsste die Goldkapsel bis zum Flaschenboden reichen (95). Dass die Schodener Herrenberg Beerenauslese nach der Auslese noch eine Steigerung darstellen soll ist schwer vorstellbar, aber tatsächlich: hier vereinen sich nussige Würze und feinster Akazienhonig, eine pikante Säure verleiht Leichtigkeit, bändigt dieses ungeheure Konzentrat (97).

Dienstag, 20.07.2010

Emmerich Knoll: 1997, 2001 und 2000




Er gilt als Großmeister des Grünen Veltliners: Emmerich Knoll senior. Dass unter seiner Verantwortung aber auch großartige, langlebige trockene Rieslinge entstanden sind, geht allzu oft unter. Da wäre z.B. der subtile, elegante und mit einer tiefgründigen Würze ausgestattete 1997 Loibenberg Smaragd. Dieser Prachtriesling zeigte sich nach drei Stunden Belüftung in der Karaffe so: würzige, enorm vielschichtige, dominierend mineralische Nase. Es finden sich Petrol, Melisse, Küchenkräuter und saftiger, reifer, weisser Pfirsich. Am Gaumen strahlend, fest, von enormer Intensität und Länge. Ein fast perfekter trockener Riesling von gewaltig mineralischer Struktur (93).
Von ähnlicher Güte, jedoch etwas verspielter und mit einem eigenwilligen Parfüm versehen, der 2001 Schütt Smaragd. 1/2 Stunde in der Karaffe belüftet, aus Bordeaux-Gläsern getrunken: kraftvoll, mineralisch, kompakt, dabei enorm leichtfüßig, Jasmin, Teerose in der Nase, am Gaumen verhalten exotisch, kräuterig-würzig, enorme Tiefe und Länge, zeigt verblüffende Jugend (91+).
Der Jahrgang wird bei Knolls von der 'Vinothekfüllung' gekrönt. Vinothekfüllung, nicht Vinotheken- oder Vinotheksfüllung, soviel Zeit muss sein...
Der Wein läuft unter 'Loibner', spricht es handelt sich um ein Lagen-Cuvée, das die feinsten und hochgradigsten Moste vermählt. Im Jahrgang 2000 ist die VF besonders opulent ausgefallen und der Alkohol macht sich deutlich bemerkbar. 2000 Loibner Smaragd 'Vinothekfüllung': 2 Stunden dekantiert. Runder, fester Wein mit üppiger Frucht, deutlich schmeckbarem Alkohol (14% vol.) und von enormer Intensität. Beeindruckend barock aber deutlich weniger faszinierend als die Lagen-Smaragde!
Nach zwei Tagen: Offene mineralische Nase, deutliche Botrytiswürze, Orangenmarmelade, Ingwer, speckig-rauchig. Am Gaumen rund und fest, üppig strukturiert, süße Orangenfrucht, Minze, große Fülle, enorme Nachhaltigkeit.
(92+).

Freitag, 11.06.2010

Jahrgang 2009 - erste Eindrücke (1/2)




Seit den letzten fünf Jahren wird es immer schwieriger, etwas Aussagekräftiges über den neuen Jahrgang zu schreiben, ohne die Formel „Jahrhundertjahrgang“ oder andere Superlative zu bemühen. Die Weinkritik und der Weintrinker werden sich an den Umstand gewöhnen müssen, dass die Jahrgänge des neuen Jahrhunderts andere Kategorien benötigen, als den des Jahrhundertjahrgangs. 2003 wurde zunächst als Überjahrgang gepriesen, dann wurden Schwächen vor allem bei den trockenen Rieslingen deutlich, von Burgundersorten und Rotwein ganz zu schweigen. Heute zeigen sich viele edelsüße 2003er tatsächlich grandios, aber auch sehr eigen: Zuckerwatte- und Karamellnoten sowie ausgeprägt exotische Frucht allerorten. Der 2005er gilt mit Fug und Recht als Jahrhundertjahrgang, aber auch hier gab es enorme Probleme bei den trockenen Weinen. Das Hauptproblem heisst Alkohol! Allerdings entstanden in den nördlichen Anbaugebieten sicherlich die hochwertigsten und feinsten Beeren- und Trockenbeerenauslese seit 1959, möglicherweise wurden sogar die feinsten edelsüßen Rieslinge aller Zeiten erzeugt. Beim 2007er schien alles machbar: große trockene Weine und frucht- und edelsüße Spitzen. Während viele trockene Rieslinge heute Rätsel aufgeben, zeigen sich die fruchtsüßen Weine als Ausbund an reifer Frucht und Säure. Vielleicht der beste Jahrgang unter den Jahrhundertjahrgängen, allerdings der, mit den unauffälligsten Weinen. Jetzt also endlich der 2009er: die Jungweine probierten sich grandios und enorm fein. Frucht und Säure sind beim Riesling harmonisch wie selten zuvor. Quer durch alle Anbaugebiete gibt es perfekt strukturierte trockene Weine und auch im restsüßen Bereich hatten die deutschen Winzer großen Erfolg.
An der Mosel gefallen insbesondere die Weine aus Piesport und hier insbesondere Reinhold Haart, wo man sehr feine Kabinettweine aus Goldtröpfchen und Grafenberg erzeugt hat, sowie eine prächtige Spätlese aus dem Goldtröpfchen. Nach dem eher verhaltenen Applaus für die Jahrgänge 2006-2008, ist man auf dem traditionsreichen Piesporter Weingut wieder ganz vorne mit dabei. Gelbfruchtig und opulent zeigten sich die Brauneberger Rieslinge von Fritz Haag, dessen Jungweine dieses Jahr das krasse Gegenteil zu denen von Schloss Lieser darstellen. Letztere probierten sich im Mai sehr schwierig, lediglich die Lieser Niederberg-Helden Spätlese hatte den obersten Hemdknopf offen und zeigte die Klasse, die man erwarten darf. Die Saar- und Moselweine von Nik Weis‘ St.-Urbans-Hof waren trotz der obligatorischen, würzigen Hefenoten schon komplette Weine, die allesamt eine mundwässernde Säure zeigten. Die cassiswürzige Goldtröpfchen-Spätlese trinkt sich jetzt schon herrlich und offenbart dennoch gewaltiges Potential.
Die große Überraschung an der Saar waren die feinfruchtigen und in ihrer Jugend ausgesprochen zugänglichen Rieslinge von Geltz-Zilliken, allen voran der saftige Kabinett aus dem Saarburger Rausch. Das Weingut Dr. Wagner stellte gewohnt reduktive, enorm rassige Rieslinge aus Saarburg und Ockfen vor. Hier gefiel insbesondere die würzige Spätlese aus dem Saarburger Rausch. Eine prachtvolle restsüße Kollektion konnte wieder das Weingut von Othegraven zeigen, dessen drei Kabinette aus dem Kanzemer Altenberg, dem Ockfener Bockstein und der Wiltinger Kupp unterschiedlicher nicht sein könnten. Im momentanen Zustand zeigt sich der Altenberg mit gewohnt vornehmer Zurückhaltung und schöner Steinobstfrucht, Bockstein sehr offen, würzig mit viel Stachelbeere und die Kupp etwas derb und enorm saftig. Die Spätlesen sind eine wahre Pracht und vermitteln einen ersten Eindruck davon, was den geduldigen Trinker an Harmonie und Fülle in Zukunft erwarten wird.
>>> Es folgen Notizen zu Ruwer, Nahe, Rheingau, Rheinhessen und der Pfalz.

Vereinigte Hospitien Trier: ein Füllhorn reifer Rieslinge (1/3)



Der historische Hospitien-Keller (Bildnachweis: weingut.vereinigtehospitien.de)

1976 Piesporter Goldtröpfchen Auslese #33: Der Wein zeigt eine leicht portige Nase mit etwas Cassis und Karamell. Am Gaumen fest und feurig, würzig mit viel heller Schokolade, leichten Bitternoten der würzigen Botrytis. Ein eher üppiger und derber Wein, der noch Reserven zeigt (87).
1976 Wiltinger braune Kupp Auslese #22: Warme Nase nach Aprikosen mit deutlicher Schieferwürze. Voll am Gaumen, Aprikose setzt sich fort, entwickelt sich aber in Richtung Trockenfrüchte. Feurig-warmer Stil, leicht bittre Botrytisnote. Gut strukturiert, passende Säure, schöne Länge (87).
1976 Serriger Schloss Saarfelser Schlossberg Auslese #34: Reifes Rieslingbukett, etwas Orangenmarmelade. Am Gaumen saftige Orangenfrucht, Geräuchertes, zarte, feine Säure, noch gute Süße. Fester, kompletter Saarwein. Trinkt sich ohne Zugeständnisse an das Alter (91).
1976 Kanzemer Altenberg Auslese #45: Komplexe, frische Nase. Am Gaumen saftig, üppig mit Rauchnoten. Kandierte Früchte, Orangenblüte, Aprikosen. Hat Feuer Rasse (91).
1976 Kanzemer Altenberg Auslese #41: Rauch und Speck in der Nase, am Gaumen enorme aromatische Tiefe, etwas Exotik, beispielhafte Schieferwürze. Schmeckt eher trocken, zeigt sich dafür tiefer, komplexer, spielerischer. Großartig (93)!
1976 Zeltinger Schlossberg Auslese: Runde, feste, reife Art der guten 76er von der Mittelmosel. Feinste Orangenaromatik, Schieferwürze, schöne, reife Säure, enorme Intensität und Länge (90).
1976 Serriger Schloss Saarfelser Schlossberg Beerenauslese: Elegante, dichte, von Toffeearomen, Honig und kandierten Zitrusfrüchten geprägte BA. Guter Trinkfluss durch ausreichende Säure. Hält noch lange (93).
1976 Serriger Schloss Saarfelser Schlossberg Trockenbeerenauslese: Opulente Nase: Nüsse, etwas Sherry, Rübenkraut. Dann kommt es dicke: Mocca, Havanna-Tabak, türkischer Honig. Deftige Bitternote, Nougat. Toll, aber etwas zu vordergründig, um den Wein groß zu nennen (91).

Jahrgang 1999 retrospektiv (3/5): Die Edelsüßen


Ein großes Jahr für edelsüße Spitzenweine? Ja und Nein! Der von allen Anwesenden als feinster und bester Wein der Verkostung bewertete Riesling gehört in der Tat zur Klasse der edelsüßen Krönung eines Jahrgangs. Leider zeigte sich aber auch, dass sich vermeintliche Spitzengewächse, u.a. solche, die in Trier versteigert worden sind, nach einigen Jahren als Blender offenbaren.
Karthäuserhof, Eitelsbacher Karthäuserhofberg Auslese lange Goldkapsel Nr. 25 (Versteigerung Großer Ring 2000): Unbeschreiblich reine, klare Botrytisnase, Honig, Walderdbeeren, Minze, helle Blüten, am Gaumen zarte Mineralität, reife, unerhörte tiefe Aromatik, feinste Säure, große Ausgewogenheit von Süße und Säure, intensiv, druckvoll, große Länge, minutenlanger Nachhall. Trotz der momentanen Perfektion traue ich dem Wein noch eine beachtliche Entwicklung zu (97).
Der Wein reiht sich ein in die grandiose Phalanx 99er Auslesen des Weinguts mit den Nr. 22 (92) und Nr. 23 (93), sowie jener mit der A.P.Nr. #13 (88) und nicht zu vergessen der trockenen Auslese 'S' (93), die aus der Magnumflasche momentan ein grandioses Erlebnis darstellt.
von Hövel, Oberemmeler Hütte Auslese lange Goldkapsel #10 (Versteigerung): üppiger, kraftvoller und leider etwas getunter Auslesestil, der vordergründig und aufdringlich erscheint. Kein Vergleich zur strahlenden, einfachen Auslese #13 (87).
von Hövel, Oberemmeler Hütte Auslese Goldkapsel #9: rauchig, klassischer Saarstil, eine Spur exotischer Frucht, könnte sich noch entwickeln, die Säure spricht dafür (90+).
Karlsmühle, Kaseler Nies’chen Auslese lange Goldkapsel #13: Herrlich würziger, cremiger Ananas-, Pfirsichduft. Im Mund sehr saftig mit präsenter Säure und feiner Süße. Sehr cremig mit schieferwürzigen Noten, etwas Akazienhonig. Klar, fest und sehr nachhaltig. Ausgezeichnete Auslese mit großem Potential. Nur eine Spur alkoholisch (90).
Erben von Beulwitz, Kaseler Nies’chen Auslese*** #12 (Versteigerung) Vanillegebäck, Kokos, feinste, rassige Säure, enorme Intensität und Länge. Der Wein entwickelt eine ungeheure aromatische Tiefe und viel Druck am Gaumen, immer noch jung, darf reifen (91).
C. von Schubert’sche Schlosskellerei, Maximin Grünhäuser Abtsberg Auslese Nr. 263: ein enttäuschender Wein, der unreife Botrytis und wenig Struktur zeigt und leider alle Vorurteile, die man dem Jahrgang bei von Schubert gegenüber hegt, bestätigt (80).
C. von Schubert’sche Schlosskellerei, Maximin Grünhäuser Abtsberg Beerenauslese #11: Ganz fein, ausgewogen, nur eine Spur feinster Botrytis, vornehm zurückhaltend, elegant, eher eine sehr feine Auslese (91).
Karl Erbes, Ürziger Würzgarten Auslese*** Goldkapsel #16: Kraftvoll und mit Würde beliebig, steht im Schatten der #15 (86).
Karl Erbes, Ürziger Würzgarten Auslese*** #15: sehr intensive Aromatik nach reifer Ananas, herrlich rassige Säure, sehr saftig, enorm animierend (92).

Mittwoch, 17.03.2010

Jahrgang 1999 retrospektiv (2/5): Joh. Jos. Prüm


Weingut Joh. Jos. Prüm, Bernkastel-Wehlen
Dr. Manfred Prüms 1999er zeigen sich, von der fabelhaften Goldkapsel-Auslese #24 abgesehen, durch eine gewisse Sperrigkeit im Bukett und am Gaumen aus. Alle probierten Weine weisen die typische Schwefel-Hefe-Nase (vulgo „Prüm-Furz“) auf, die die aromatische Schönheit immer etwas vernebelt. Die Wehlener Rieslinge probierten sich unterm Strich am harmonischsten, zeigten die beste Struktur und wirken immer noch jugendlich. Die Zeltinger Auslese #11-01 kommt als kompletter Wein daher, der mit seiner stahligen Säure und zarten Würze alle Eigenheiten des Zeltinger Bergs vertritt. Etwas schwierig trinkt sich die mit minimaler Botrytis gelesene Graacher Himmelreich Auslese #08-02.
1999 Wehlener Sonnenuhr Spätlese #12-00
Schwefel, Altholz, am Gaumen Zitronenmelisse und rote Beeren, intensiv, viel Saft, viel Stoff, lang (86-88).
1999 Graacher Himmelreich Auslese #08-02
Reif, traubig, spürbare Säure trotzdem eher rund, schwierig (86).
1999 Wehlener Sonnenuhr Auslese #09-01
Brachialer Stinker, kaum Frucht, jung, Schwefel, Zwiebeln, verschlossen. Sehr schwierig (86+).
1999 Zeltinger Sonnenuhr Auslese #11-01 1999
Eher zart, spürbare Säure, gute Intensität, Rhabarber, Zitronenmelisse, Saft, Würze (89).
1999 Wehlener Sonnenuhr Auslese Goldkapsel #24-00
Zunächst verschlossen, Schwefel, Hefegebäck, weisse Blüten, Aprikosen, am Gaumen sehr zart, feinsaftig, leicht cremig. Nicht sonderliche ausgeprägte Frucht, sehr tief, enorme Länge. Klassisch.
Am zweiten Tag: glockenklare Aprikosenfrucht, Karamell, Litschi, mundwässernde Säure, feine Cremigkeit. Sehr gut strukturiert, enorme Feinheit (93+).

Dienstag, 16.03.2010

Jahrgang 1999 retrospektiv (1/5): Geltz-Zilliken


1999 galt einem prominenten deutschen Winzer als „der feinste Jahrgang, den ich je eingefahren habe“ (Egon Müller, AÜW 1/2001). Diese Euphorie pflegten nicht alle Winzer und obwohl die Mehrheit von den ausgereiften, feinfruchtigen Rieslingen schwärmte, gab es Bedenken. Dass manchen Einschätzungen der Jungweine des Jahrgangs 1999 aber gründlich danebenlagen, zeigte eine umfassende Verkostung ausgewählter Spitzen-Rieslinge von Mosel, Saar und Ruwer im Frühjahr 2010.

Weingut Geltz-Zilliken, Saarburg
Von Joel Payne und Armin Diel erhielten die Rieslinge das Votum, sie seien „bereits sehr reif“ und „die mächtige Säurestruktur, für die Zilliken bekannt ist“ falle „in diesem Jahr geschmeidiger aus“. Diesen Eindruck hinterlassen die mittlerweile nahezu 10 Jahre auf der Flasche gereiften Weine mitnichten. Sicher, rassig ist die Säure auf den ersten Schluck nicht zu nennen, aber sie ist vorhanden und sorgt für die nötigen Konturen. Die Tatsache, dass die angestellten Weine im ersten Probieren kaum gefielen, scheint mir eher in der Struktur der Zilliken-Weine zu liegen, die immer einer gehörige Portion Luft benötigen, um ihre ganze Schönheit zu offenbaren. Wer in der nächsten Zeit 99er von Hans-Joachim Zilliken probieren möchte, sollte die Weine ein bis zwei Stunden vorher öffnen oder in eine Karaffe füllen.
1999 Saarburger Rausch Spätlese #10
Ausgewogen, herrliches Spiel, kraftvolle Würze, baut aus und öffnet sich erst richtig am zweiten Tag: Rausch-Typische saftige Würze, traubig, reifer Apfel, schöne Länge (87+).
1999 Saarburger Rausch Spätlese #9, Versteigerung Großer Ring, Trier, 2000
Entwickelt, stoffig, Rasse am Gaumen, saftige, reife Art. Baut am zweiten Tag enorm aus, vielversprechend (89).
1999 Saarburger Rausch Auslese #3, Versteigerung Großer Ring, Trier, 2000
Ganz fein, fast zart dabei sehr konzentriert, Melisse, feiner, intensiver Honigton, feinste Säure (93).
1999 Saarburger Rausch Auslese #2 Goldkapsel, Versteigerung Großer Ring, Trier, 2000
Leider ein brachialer Korkschmecker, aber der Wein zeigt darunter eine feste, gute Struktur und enorm feine Botrytis (k.B.).

Donnerstag, 25.02.2010

Günther Jauch übernimmt von Othegraven


Die Spatzen pfiffen das Gerücht seit Mitte Januar von allen trierer Dächern, wenngleich sich das Weingut bisher zu dem Thema ausschwieg: Günther Jauch wird 2010 das traditionsreiche Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar übernehmen. Auf der Mitgliederversammlung des VDP-MSR (Großer Ring) am vergangenen Mittwoch wurde der Aufnahme Jauchs in den Verband zugestimmt.

Freitag, 15.01.2010

Deutschlandfunk zum Bauvorhaben 'B50 neu'


Eine sehr höhrenswerte Sendung zum Bau der B50neu und Hochmoselübergang ist auf Deutschlandfunk 'on demand' verfügbar. Ein Klick auf das Bild genügt.

Samstag, 21.11.2009

Jahrgang 2008 - Spätlese klassisch, restsüß

Freitag, 20.11.2009

Jahrgang 2008 - Bestes Preis-Genuss-Verhältnis

Samstag, 03.10.2009

Feiner Riesling zu Wurst und Kraut...


... und anderen deftigen Köstlichkeiten für die kalten Tage im Herbst und Winter. Ein Artikel, der sich dieser nicht ganz einfachen Marriage widmet, folgt in den nächsten Tagen.

Mittwoch, 30.09.2009

Großes Gewächs 2008 - mineralische Präsizion



Im Jahrgang 2008 trennt sich bei den GG noch deutlicher als in den vergangenen Jahren die Spreu vom Weizen. Auch wenn ich dem Konzept Großes Gewächs von Anfang an eher skeptisch gegenüberstand, haben vielen Weingüter diesen Weinstil seit Ende der 90er Jahre zur Perfektion getrieben. Die vollfetten Jahrgänge 2003, 2005, 2006 und 2007 ließen - besonders bei den Großen Gewächsen vom Riesling – oft aufgeblasene, säurearme und vordergründig fruchtige Weine gedeihen. Der 2008er hingegen, mit seiner durchgängig markanten bis rassigen Säure, verleiht den kraftvollen deutschen Grand Crus eine spielerische Eleganz. Die besten Weingüter waren in der Lage ihre großen Erfolge mit dem Jahrgang 2007 im Jahrgang 2008 noch zu toppen:
MOSEL
Reinhold Haart: 2008 Goldtröpfchen Piesport GG (90+); 2008 Ohligsberg Wintrich GG (91+)
Clemens Busch: 2008 ‚Rothenpfad‘ (Marienburg) Pünderich GG (90+).
Von Othegraven: 2008 Altenberg Kanzem GG (91); 2008 Kupp Wiltingen GG (89); Bockstein Ockfen (90+).
Fritz Haag: 2008 Juffer-Sonnenuhr Brauneberg GG (92+).
Dr. Loosen: 2008 Treppchen Erden GG (87).
RHEINHESSEN
Wittmann: 2008 Brunnenhäuschen Westhofen GG (95); 2008 Morstein Westhofen GG (93); 2008 Aulerde Westhofen GG (90+); 2008 Kirchspiel Westhofen GG (90+).

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Montag, 28.09.2009

VDP-Versteigerungen 2009 (I): Höhepunkte


Während der umfangreiche Bericht über die Weinversteigerungen des VDP an Mosel, Nahe (mit Ahr, Rheinhessen und Pfalz) und dem Rheingau noch in Arbeit ist, sollen jetzt immerhin schon die Höhepunkte dieser drei traditionellen Versteigerungen Erwähnung finden:

Keller: 2007 Westhofener Abtserde Trockenbeerenauslese Goldkapsel
Ein Wein, der bei derartiger Konzentration noch die tiefe Mineralität der Westhofener Böden zeigt und ein Pfauenrad an exotischen Aromen präsentiert, alles von seidiger Säure unterlegt, ist nicht mehr nur schön sondern wahrhaft groß (99). [30 x 0,375l á 410,- € + Tax]

Dönnhoff: 2008 Oberhäuser Brücke Eiswein ‚Januar‘
Helmut Dönnhoffs Eiswein zeigt 2008 eine verblüffend brave Säure. Aber obwohl dieses Merkmal eines klassischen Eisweins fehlt, handelt es sich hier um einen großen Wein! Eher rund und cremig mit verführerischen Noten von Aprikosenmark und einer Spur Minze – alles in allem eine noble Erscheinung (96). [48 x 0,375l á 160,- € + Tax; 12 x 0,75l á 340,- € + Tax]

Emrich-Schönleber: 2008 ‚A.de.L‘ (Auf der Lay) trocken
Der puristischste und kompromissloseste Riesling, den Werner und Frank Schönleber jemals erzeugt haben: kühle, ungemein facettenreiche Nase, dominiert von feinster Schieferwürze. Am Gaumen fest und kantig, lässt nur mit viel Luft die wahre Größe ahnen. Feste, lebendige Säure verleiht dem Wein Schwerelosigkeit, eine einzigartige Erscheinung (95-100). [90 x 1,5l á 110,- € + Tax; 5 x 3,0l á 300,- € + Tax]

Fritz Haag: 2008 Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Auslese #13 Goldkapsel
Oliver Haag ist hier ein finessenreicher, großer edelsüßer Riesling gelungen, der ganz an die eleganten und dennoch dichten Rieslinge des Vater anzuknüpfen vermag: es dominieren reifer Pfirsich und pikante, enorm klare Botrytiswürze. Wer Druck sucht, sucht hier vergebens – die reife, prägnante Säure trägt ihr Übriges dazu bei (95). [90 x 0,375l á 55,- € + Tax; 90 x 0,75l á 95,- € + Tax; 3 x 1,5l á 280,- € + Tax]

Willi Schaefer: 2008 Graacher Domprobst Auslese #11
Die rassige 2008er Auslese von Willi und Christoph Schaefer verbindet alle Vorzüge des Jahrgangs: reife Fruchtaromen, erstklassige, saubere Botrytisnoten und komplexes Säurespiel lassen auf einen langlebigen Wein schließen, der mit Reife erst seinen Trumpf ausspielen wird (94). [160 x 0,375l á 30,- € + Tax; 160 x 0,75l á 67,- € + Tax]

Schloss Lieser: 2008 Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Spätlese #13
Thomas Haags Spätlese ist eine Ausnahmeerscheinung unter den in Trier versteigerten Weinen dieser Prädikatsstufe – und das nicht nur aufgrund des außergewöhnlich hohen Steigpreises! Sie ist dichter, aromatisch intensiver und auch würziger als alle anderen Spätlesen der besten Weingüter, aber weit davon entfernt, eine Auslese zu imitieren. Rassige Säure und animierende Zitrusfrucht mit einem kleinen Tick Exotik lassen den Wein auf der Zunge tanzen (94). [345 x 0, 75l á 48,- € + Tax; 8 x 1,5l á 135,- € + Tax]

Dienstag, 18.08.2009

Riesling belüften, karaffieren, dekantieren


Mit dem Stilwandel bei der Erzeugung hochwertiger Rieslinge, der in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre zu beobachten ist, änderte sich auch die Einstellung der Konsumenten und Hersteller zur Glaskultur. Nicht nur die kraftvollen österreichischen Weine von der Donau, aus dem Kamp- und Kremstal, dienten deutschen Winzern als Vorbild, sondern auch die entsprechend großzügig bemessenen Gläser, wie z.B. aus der Serie Zalto Denk'Art, regten zu einer Veränderung in den Ansprüchen an Gläser und Karaffen für Weißweine an.
In diesem Abriss über das Belüften von Rieslingen soll es aber nicht nur um die mittlerweile sehr verbreite Art und Weise des Dekantierens von jungen, trockenen Weinen gehen. Auch rest- und edelsüße Weine, insbesondere aber auch Altweine profitieren häufig von unterschiedlich langer Belüftungszeit in unterschiedlichen Karaffen. Hierbei spielt besonders die momentane Reifephase des Rieslings die größte Rolle.
>>>Altweine: 20 Jahre und älter
Alte Rieslinge aus großen Jahren wie 1953, 1959, 1964, 1969 und 1976, aber auch solche aus ‚kleinen‘ Jahrgängen gewinnen durch behutsames Karaffieren. Gerade die langsam über ein oder anderthalb Jahre im Holzfass ausgebauten Weine der 50er und 60er Jahre vertragen den Sauerstoffkontakt gut und geben häufig erst dann ihre ganze Schönheit preis. Um den Luftkontakt dosieren zu können, empfiehlt

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Montag, 17.08.2009

Fritz Haag: 1993 Brauneberger Juffer-Sonnenuhr ALGK #17 'Versteigerung'


Es gibt kritische Stimmen in der Weinwelt, die zweifeln mehr oder weniger laut an den Ehrungen, die man dem Weingut Fritz Haag Jahr für Jahr zuteil werden lässt. Gelten die Rieslinge aus Brauneberg doch seit mehr als drei Jahrzehnten, zusammen mit den Weinen von Egon Müller und Joh. Jos. Prüm, als Inbegriff des klassischen, filigranen und ausbalancierten Moselrieslings. Während die Stärke der Prüm’schen Weine eher in ihrer schwerelosen, hefegeprägten Art und einer besonders feinen Aromatik liegt und Egon Müller für einen kraftvoll mineralischen, im besten Sinne aristokratischen Stil steht, betören die großen Rieslinge von Haags Dusemonder Hof durch ihre große Klarheit bei maximaler Auslotung der aromatischen Tiefe. Ein Wein, der die Lästerer verstummen lässt und der zu den wirklich herausragenden Weinen des 20. Jahrhunderts gehört, ist die 1993er Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Auslese lange Goldkapsel #17, die 1994 bei der traditionellen Herbstauktion des Großen Ring, VDP Mosel-Saar-Ruwer, in Trier für 269,- DM versteigert wurde. Schon der Jungwein begeisterte die Weinkritiker des Gault Millau Weinguide derart, dass er mit 18,75 (98/100) Punkten bedacht und neben einer Auslese des Weinguts Dr. Loosen zum besten Wein in der Kategorie ‚Riesling Auslese‘ des Jahrgangs 1993 gekürt wurde.
Die 93er Auslese LGK befindet sich momentan in bester Verfassung, das Opulente, die fast sahnige Art des Jungweins ist in den Hintergrund getreten und hat einem herrlichen Traubenaroma, wie es frisch gelesene, hochreife, aromatische Rieslingträubchen aufweisen, Platz gemacht. Der Wein zeigt eine perfekte Balance von konzentrierten exotischen Fruchtaromen und feinster Säure, ist dabei filigran und elegant, von großer Klarheit und mineralischer Tiefe. Bei aller Konzentration, die diese Auslese besitzt, bleibt der Eindruck eines fast zarten, unaufdringlichen Weins von enormer Länge zurück, das leere Glas verströmt lange noch den Duft von reifem Steinobst und einem Hauch Melisse (98).

Dienstag, 26.05.2009

100 Rieslings... to drink before you die, Teil 1/10


by riesling|blog 100 Rieslinge zu benennen, die man auf alle Fälle in seinem Leben getrunken haben sollte, ist ein Akt der Selbstbeschränkung! Es dürften weit mehr als 100 Rieslinge sein, die es wert sind, hier Erwähnung zu finden. Dass es schwerpunktmäßig um deutsche Rieslinge gehen wird, ist nur Ausdruck meines subjektiven Interesses und Horizonts und gründet nicht auf der Überzeugung, in Deutschland mache man die besten Rieslinge der Welt. Bei der Auswahl wurde Wert darauf gelegt, vom Jahrgang unabhängige, gleichsam für das jeweilige Weingut ‚klassische‘ und repräsentative Weine auszuwählen.

Daniel Vollenweider
‚Schimbock‘ Auslese

Deutschland, Mosel
Vollenweider, der seit 2000 mit seinen edelsüßen Rieslingen aus der vergessenen Lage ‚Wolfer Goldgrube‘ Furore macht, hat sich erstmals mit dem Jahrgang 2005 eines anderen vergessenen Terroirs der Mittelmosel angenommen. Die Parzelle ‚Schimbock‘ im Trabener Würzgarten ergibt hoch aromatische, schieferwürzige, kontrastreiche Weine.

Heymann-Löwenstein
Winningen Uhlen ‚Rothlay'

Deutschland, Mosel
Der ‘Rothlay’ aus dem Winninger Uhlen ist der vielleicht expressivste Riesling des Weinguts. Vertritt der ‚Röttgen‘ eher die opulent-fruchtige Fraktion, steht der ‚Rothlay‘ für flüssiges Schieferelixier und transportiert den Charakter der Terrassenmosel auf das Trefflichste.

R. u. B. Knebel
Winninger Uhlen trocken

Deutschland, Mosel
Nicht minder individuell und ausdrucksstark sind die Rieslinge von Beate Knebel und Kellermeister Gernot Kollmann. Sie sind oft weniger fruchtbetont als jene von Reinhard Löwenstein und bestechen durch ihre klare, elegante Art.

Joh. Jos. Prüm
Wehlener Sonnenuhr Spätlese

Deutschland, Mosel
Eine zartere und elegantere Interpretation dieser großartigen Mittelmosel-Lage wird man kaum finden. Oft dominieren Blütenaromen und zarte Nuancen weißer Pfirsiche Bukett und Gaumen. Die Weine sind tiefgründig aber niemals opulent. Ihre Stärke ist die Zurückhaltung.

Emrich-Schönleber
Monzinger Halenberg Auslese***

Deutschland, Nahe
Die Halenberg-Versteigerungs-Auslese gehört in den wenigen Jahren, in denen sie produziert werden kann, zu jener Sorte Riesling, die durch geballte Mineralität und verschwenderische Frucht gleichermaßen beeindruckt.

Helmut Dönnhoff
Niederhäuser Hermannshöhle Spätlese

Deutschland, Nahe
Dönnhoffs Hermannshöhle Spätlese erinnert in ihrer schwerelosen aber sehr aromatischen Art stark an Manfred Prüms Sonnenuhr Spätlese. Beide Rieslinge zeigen trefflich die Vorzüge, die das Prädikat Spätlese besitzen sollte: viel Aroma, feinziselierte Säure und spannungsreiches Spiel.

Schlossgut Diel
Dorsheimer Pittermännchen Spätlese

Deutschland, Nahe
Obwohl das Schloßgut in letzter Zeit vor allem mit trockenen, kräftigen Rieslingen brilliert, gehören die restsüßen Spätlesen des Kellermeisters Friedrich, einem gebürtigen Moselaner, zu den feinsten ihrer Art und trumpfen mit reifen Fruchtaromen und fein ziselierter Säure auf.

Georg Breuer
Rauenthal Nonnenberg ‚Monopol‘

Deutschland, Rheingau
Der von der Kommission des Rheingauer Weinbauverbands aus unerfindlichen Gründen als Erste-Gewächs-Lage verschmähte Nonnenberg, bringt Jahr für Jahr die eindrucksvollsten, weil monolithischsten Rieslinge des Weinguts Breuer hervor. Der leider zu früh verstorbene Visionär Bernhard Breuer sah in dem Nonnenberg stets sein großes Kapital. Die trockenen Nonnenberg-Rieslinge des 90er Jahre sind heute grandios: sie zeichnen sich durch eine markante, rauchige Mineralität und ins exotische tendierende Frucht aus.

Franz Künstler
Hochheimer Hölle Auslese trocken Goldkapsel

Deutschland, Rheingau
Die ‚Hölle Goldkapsel‘ stellt eine Steigerung aller trockenen Rieslinge von Gunther Künstler dar: Aromatik und Dichte passen immer zu den schweren Hochheimer Böden, aber dieser Wein zeigt sich Jahr für Jahr stets eine Spur präziser, mineralischer, tiefgründiger.

Emmerich Knoll
Loibenberg Smaragd

Österreich, Wachau
Die Lagerfähigkeit der Knoll’schen Rieslinge ist legendär; 10 Jahre sind kein Alter für einen ‚Loibenberg Smaragd‘! Und gerade die Riede Loibenberg ist bei Knoll für den Riesling das, was Schütt für den Grünen Veltliner darstellt: ein fester, mineralisch durchgezeichneter aromatisch eher zurückhaltender Wein, der rauchig-speckige Noten und häufig einer Spur Petrol zeigt.

Wird fortgesetzt…

Donnerstag, 12.03.2009

In Vorbereitung


Ein Bild


* Serie: "100 Rieslings to drink before you die..."
* Hinweise zum Belüften von Riesling
* Winzerpersönlichkeiten im Porträt
* Die feinsten Rieslinge des Jahrgangs 2007


Mittwoch, 28.01.2009

VDP-Weinversteigerungen 2008 an Mosel, Rhein und Nahe



Dr. Manfred Prüm bei der Versteigerung seiner 1959er TBA. Foto: VDP Mosel-Saar-Ruwer.


Die 121. Prädikatsweinversteigerung des VDP Mosel-Saar-Ruwer wurde von der Auktion eines raren Spitzengewächses, ganz im Zeichen des 100jährigen Jubiläums, aus dem Jahr 1959 überstrahlt: Das Weingut Joh. Jos. Prüm aus Wehlen lies eine 1959 Wehlener Sonnenuhr Trockenbeerenauslese versteigern, die inkl. Tax und Gebühren den historischen Preis von 5097,96 € erzielte. Ein großer Erfolg! Aber auch die edelsüßen Spitzenrieslinge des Jahrgangs 2007 zeigten aufgrund ihrer Steigpreise all jenen Zeitgenossen auf, welch großartiger Jahrgang da herangereift war, die dies bei der Vorprobe noch nicht erkannt hatten. Das Preisniveau war jedenfalls einem großen Jahrgang angemessen. Herausragende Rieslinge der Versteigerung waren die filigrane 2007 Wehlener Sonnenuhr Spätlese von Joh. Jos. Prüm und die expressiv fruchtige 2007 Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Spätlese (92) von Fritz Haag (94) sowie die die feste, druckvolle 2007 Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Spätlese von Schloss Lieser (93) und die stahlig-rassige 2007 Wiltinger Braune Kupp Spätlese von Egon Müller (93).
Ein Ausbund an feinster Botrytis, die 2007 Winninger Uhlen ‚Rothlay‘ Auslese lange Goldkapsel von Heymann-Löwenstein (94), die zart cremige 2007 Saarburger Rausch Auslese lange Goldkapsel von Geltz-Zilliken (94) und die druckvolle, würzig-mineralische 2007 Pündericher Marienburg Auslese lange Goldkapsel von Clemens Busch (93).
Den Glanzpunkt der edelsüßen Rieslinge setzte Egon Müller mit seiner 1997 Scharzhofberger Trockenbeerenauslese, die feine, klare Saarart mit allen orientalischen Gewürzen, die man sich denken kann verbindet (96).

Einige Spitzenpreise der Versteigerung 2008:
1997 Scharzhofberger Trockenbeerenauslese, Egon Müller: 4430,37 € (0,75l).
2003 Saarburger Rausch Trockenbeerenauslese, Geltz-Zilliken: 521,93 € (0,375l)
1994 Wehlener Sonnenuhr Beerenauslese, Joh. Jos. Prüm: 1092,42 € (0,75l)
2007 Erdener Prälat Auslese lange Goldkapsel, Dr. Loosen: 224,55 € (0,375l)
2007 Scharzhofberger Auslese Goldkapsel, Egon Müller: 291,31 € (0,375l)
2007 Scharzhofberger Spätlese, Egon Müller 78,90 € (0,75l)


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